Wiener Opernball 2014

Wiener Opernball 2014

Der Traditionsball aus der Sicht eines Fotografen,
eines Zeremonienmeisters und einer Organisatorin.

Von Johanna Mayer, Amina Beganovic und Sarah van den Berg

Die Geschichte des Opernballs

D er Wiener Opernball zählt mit bis zu 5.000 Besuchern jährlich zu einer der größten kulturellen Ereignisse des Jahres. Schon seit dem Jahr 1814, der Zeit des Wiener Kongresses, wird der Ball in Wien veranstaltet. Am 11. Dezember 1877 fand zum ersten Mal die Hofopern-Soiree in der Wiener Staatsoper statt, im Jahr 1921 wurde die erste Opernredoute der Ersten Republik veranstaltet.

Bild aus der Wiener Staatsoper
Bild aus der Wiener Staatsoper © APA

Der erste Ball mit dem Namen Wiener Opernball wurde am 26. Jänner 1935 gefeiert, und seit diesem Jahr fand der Ball jedes Jahr am letzten Donnerstag im Fasching statt. Nur in den Jahren militärischer Auseinandersetzungen, wie zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg oder im Jahr 1991 während des Golfkriegs, wurde ausgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde erst im Jahr 1956 die Tradition fortgesetzt. Die Gäste, die alljährlich über den roten Teppich vor der Wiener Staatsoper gehen, kommen vor allem aus der Politik, Wirtschaft und der Künstler-Szene aus dem In- und Ausland. Während des Balles wird die Oper für alle Gäste bis hin zum Dachboden geöffnet, die einzige Ausnahme stellt der Tee Salon dar, der nur für Künstler und offizielle Gäste des Balles zugänglich bleibt.

Seit dem Jahr 1969 überträgt der ORF den Opernball live im TV. Im Jahr 2013 verfolgten 1,596 Millionen Menschen im Durchschnitt die Übertragung. Neben der Ankunft der Gäste auf dem roten Teppich und der Eröffnung werden auch Interviews mit Ehrengästen gezeigt.

Opernball in Zahlen

Opernball in Zahlen

Ab 250 Euro ist man am Wiener Opernball mit dabei, so viel kostet nämlich eine „normale“ Eintrittskarte. Wer den Abend aber nicht im Stehen sondern sitzend verbringend möchte, muss nochmal ordentlich in die Tasche greifen. Ein Tisch für sechs Personen kostet 1080 Euro, für vier Personen 720 Euro. Im 6. Stock gibt es weitere Sitzmöglichkeiten und die Preise schwanken zwischen 180 Euro und 360 Euro. Wer den Ball in einer Loge sehen möchte, muss zwischen 10.200 Euro und 18.500 Euro berappen.

Richard Lugner und der Opernball

„Der Opernball ist
ein Märchenball“

Richard Lugner und der Opernball

Für Richard Lugner stellt der Wiener Opernball das Medienereignis des Jahres dar. Durch die bezahlten Auftritte seiner Gäste, die schon Wochen vorab einen Vertrag unterzeichnen müssen, war der Rummel in den vergangenen Jahren derart groß, dass selbst die Anwesenheit internationaler Politiker und Wirtschaftsbosse in den Schatten gestellt wurde. Seit 1992 lädt Baumeister Richard Lugner einen Stargast in seine Loge und zieht so regelmäßig die Aufmerksamkeit vor dem Ball der Bälle auf sich und die meist international bekannte Begleitung. Die überwiegend weiblichen Gäste absolvieren neben einem Besuch auf dem Opernball außerdem eine Autogrammstunde in der Wiener Lugner City und eine Pressekonferenz. Vor allem bei den Besuchen von Pamela Anderson, Paris Hilton, Geri Halliwell, Carmen Electra und Ruby (Karima el-Mahroug) war der Medienandrang derart groß, dass die Nerven des Baumeisters und der Damen teilweise hart auf die Probe gestellt wurden.

Richard Lugner und seine Begleitungen am Wiener Opernball © APA

Einen Skandal lieferte Schauspielerin Grace Jones bei ihrem Besuch in der Lugner-Loge, in dem Sie während des Aufenthaltes auf dem Wiener Opernball in ebendieser Loge Sex mit ihrem Ehemann gehabt haben soll. Paris Hilton wurde bei ihrer Autogrammstunde mit einem Feuerzeug beworfen. Schon im Voraus meldete Richard Lugner eine Demonstration vor der Wiener Lugner City an, um den Zustrom der Fans etwas eindämmen zu können. Vor allem der Besuch der damals 18-jährigen Ruby, die als mögliche Mätresse Silvio Berlusconis in die Schlagzeilen geriet, sorgte schon Wochen vor dem Ball für Aufregung. Dennoch wirkte die junge Italienerin zufrieden mit ihrem Besuch am Ball und genoss den Abend sichtlich und wagte sogar ein Tänzchen mit Richard Lugner, während sie von Fotografen umringt wurden.

Der Opernball-Stargast 2014

Zum heurigen Opernball bringt Richard Lugner Kim Kardashian und die Miss World 2011 ein. Am 27. Jänner, um 10 Uhr vormittags, lüftete der Baumeister das Geheimnis rund um seinen Opernball-Stargast 2014: Kim Kardashian, jenes It-Girl das durch die Reality-Show “Keeping up with The Kardashians” bekannt wurde, wird Richard Lugner Ende Februar auf den Ball der Bälle in die Wiener Staatsoper begleiten.

Richard Lugner und seine Stargäste

Der Ball ist für ihn aber mehr, als ein Society-Spektakel, so der begeisterte Ballgeher. “Der erste Opernball war 1956, den habe ich damals im Radio mitverfolgt”, erinnert er sich zurück. Dass die jährliche Tradition ab und an von Gegnern als “überholt” kritisiert wird, lässt es nicht gelten. “Es geschieht tagtäglich soviel Schlechtes und Leid auf der Welt, man braucht ab und zu etwas Schönes im Leben! Der Opernball ist ein richtiger Märchenball, ich als Wiener bin stolz auf diese Tradition“, erklärte er im Jahr 2013 im VIENNA.AT-Interview.

Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh im Interview

„Ich gehe mit dem Opernball
schlafen und wache mit ihm auf“

Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh im Interview

Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh gibt Einblick in ihre Arbeit
Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh gibt Einblick in ihre Arbeit © VIENNA.AT

von Sarah van den Berg - "Ich gehe mit dem Opernball schlafen und ich wache mit dem Opernball wieder auf", so beschreibt Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh die letzten Wochen vor dem Ball der Bälle.

Ersatzschuhe oder -kleid, ein zweites Paar Strümpfe, Make-up, Nadel und Faden, Parfum, Nagellack und -feile, Pflaster und ähnliche Dinge würde man in einem "Notfall-Paket" für den Opernball vermuten. Auf ein solches verzichtet Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh aber komplett. In ihrem allerersten Jahr dachte sie, sie müsste sich für alle Eventualitäten rüsten. "Ich war unglaublich aufgeregt", meint die 49-Jährige im Interview mit VIENNA.AT. Diese Aufregung ist über die Jahre augenscheinlich einer professionellen Gelassenheit gewichen.

Wundermittel gegen den Muskelkater des Grinsens

Heuer möchte sie sowieso komplett auf eine Handtasche am Ball verzichten. Stattdessen wird sie sich in ihr Kleid eine Tasche einnähen lassen. Mehr als die Karte, die ihr Zutritt zu allen Bereichen der Staatsoper ermöglicht, und ihr Telefon brauche sie nicht mit sich herumtragen. Viel wichtiger als in der Ballnacht selbst wäre ihrer Meinung nach ein Notfall-Paket für den Tag danach. Für dieses wünsche sie sich ein Wundermittel "gegen den Muskelkater des Grinsens".

So behält die Opernball-Organisatorin alles im Griff

Den Fehler, Desirée Treichl-Stürgkh auf ihre Funktion als Opernballorganisatorin zu reduzieren, sollte man nicht machen. Sie ist schließlich auch dreifache Mutter und Geschäftsfrau. Nicht zu vergessen: Für die Organisation des Balls der Bälle erhält sie kein Gehalt. Das Büro, das ihr zunächst zugeteilt worden war, war so klein, dass sie es vorzog, am Gang zu sitzen. Seit mittlerweile zwei Jahren hat sie ein Büro, das etwas größer ist. Dominierend in dem hellen, schlicht gehaltenen Raum ist die große Pinnwand: Visitenkarten, Fotos, handschriftliche Notizen und Briefe - alles, was man nicht unbedingt die ganze Zeit über im Kopf haben muss, aber trotzdem auf gar keinen Fall vergessen darf, findet sich dort.

Desirée Treichl-Stürgkh im Interview

Dass sie keine One-Woman-Show abziehen muss, sondern sich auf ihr Team verlassen kann, kommt im Gespräch ganz deutlich zum Ausdruck. Manche Anfragen - nicht nur von der Presse - "übersteigen mittlerweile jede Dimension", findet sie und ist nicht nur in solchen Momenten froh, nicht alles alleine machen zu müssen. Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kümmern sich neben Buchungen und Kartenverkauf auch um die „Wehwehchen der Debütanten", wie Treichl-Stürgkh erklärt. Und gerade in der heißen Phase vor dem Opernball klingelt auch das Handy ununterbrochen. "Wenn du nach einem Gespräch auflegst, hast du schon wieder fünf verpasste Anrufe und Nachrichten auf der Mailbox" Die Lösung: Die Mailbox wurde abgedreht, eine zweite Handynummer eingerichtet, damit sie jederzeit für ihre Kinder erreichbar ist.

Eine lange Nacht und der Tag danach

Monatelang wird auf die rauschende Ballnacht hingearbeitet. Und auch am Opernball selber kehrt keine Ruhe ein: Händeschütteln, Gäste begrüßen, sich bei Sponsoren bedanken, anstoßen, Interviews geben, bei kleineren und größeren Problemen improvisieren, den Programmablauf im Auge behalten und ehe man sich versieht, ist es bereits wieder Morgen. Schlaf nachholen oder Wellness-Tag wären schön, sind aber nicht möglich.

Im Rathaus werden die Feierlichkeiten mit einem Empfang für die Logengäste am Tag danach fortgesetzt. Die Zeit reicht gerade, um sich frischzumachen und umzuziehen. Nach dem Empfang trifft sie sich mit ihren Kolleginnen im Kaffeehaus, um ein Mayonnaise-Ei zu essen. Fett und deftig, eine Stärkung, bevor schon bald die Arbeit für den kommenden Opernball aufgenommen werden muss.

Andreas Barylli-Fayer: Opernball-Fotograf seit 46 Jahren

Andreas Barylli-Fayer:
Opernball-Fotograf seit 46 Jahren

Seit 46 Jahren Fotograf am Wiener Opernball

Andreas Barylli-Fayer fotografierte bereits 46 Mal am Wiener Opernball
Andreas Barylli-Fayer fotografierte bereits 46 Mal am Wiener Opernball © VIENNA.AT

von Sarah van den Berg - Andreas Barylli-Fayer (69) war bereits 46 Mal beim Wiener Opernball. Aber getanzt hat er nicht ein einziges Mal. Für ihn ist es nicht der Dreivierteltakt des Walzers, der den Rhythmus des Abends bestimmt, sondern das Klicken seiner Kamera.

Als Andreas Barylli-Fayer das erste Mal am Opernball war, hatte er seine Fotografen-Lehre gerade erst abgeschlossen. Sofortbildfotografie war damals gerade ganz groß im Kommen und so lief der junge Fotograf mit einer sehr großen und sehr schweren Kamera von Loge zu Loge, um die Ballgäste zu fotografieren und ihnen diese neue technische Errungenschaft zu präsentieren. Ob er damals aufgeregt war? Barylli-Fayer lacht. Ja, er war sehr aufgeregt. Denn es war nicht nur sein erster Opernball, sondern sein erster Ball überhaupt. „Und dann gleich der wichtigste der Stadt“, meint er.

Mittlerweile hat er Routine, 2014 ist er zum 47. Mal als Fotograf vor Ort. Seitdem hat sich vieles verändert: Nicht nur die technischen Möglichkeiten der Fotografie, sondern auch der Opernball. Letztendlich entwickelt sich aber beides zurück zu den Wurzeln: Die analoge Fotografie ist nicht unterzukriegen und der Opernball entwickelt sich wieder zurück zu einem „Ball der Künstler“.

Altes Flair des Opernballs wird revitalisiert

Andreas Barylli-Fayer im Interview

Der Fotograf erinnert sich sehr genau, dass zu seinen Anfangszeiten die Gästeliste deutlich anders aussah als noch vor ein paar Jahren: Opernstars aus aller Welt hätten früher gemeinsam mit Freunden und Unterstützern der Oper gefeiert. Der Society-Faktor war deutlich niedriger, Möchtegern- Prominente standen nicht am Roten Teppich und im Rampenlicht. Es war nicht so ein „Spektakel“. Genau davon entwickle sich der Ball auch wieder weg, meint Barylli-Fayer.

Um auf die analoge Fotografie noch einmal zurückzukommen: Es gibt ein einziges Motiv, das jedes Jahr ganz identisch abgelichtet wird – und das auch immer noch analog. Ein Panorama bei der Balleröffnung, bei dem gestochen scharf das Gesicht jedes einzelnen Debütanten, jeder Debütantin erkennbar ist. Eine Sekunde zu früh oder zu spät abgedrückt und das Bild ist ruiniert. Die Generalprobe der Eröffnung ist also auch immer die Generalprobe für den Fotografen. Barylli-Fayers Team hat Routine, eine wirklich schlimme Panne habe es bei diesem Bild eigentlich noch nie gegeben.

Statt einer unterhaltsamen Ballnacht erleben die Fotografen in der Wiener Staatsoper eher Stress. Sie bekommen vom Ballgeschehen wenig mit, ob „leider“ oder „Gott sei Dank“, möchte Andreas Barylli-Fayer dahingestellt lassen. Fotos machen, ins Labor laufen, zurücklaufen, Fotos machen. Ein Hin und Her die ganze Nacht, im Schnitt werden 2.000 bis 2.500 Fotos geschossen.

Fotografie schafft Erinnerungen für die Ewigkeit

Zahlreiche Stufen gilt es zu überwinden und durch viele schmale Gänge müssen sich die Fotografen drängen, um die Logen zu erreichen. Treppauf, treppab geht es die ganze Nacht. Stunde um Stunde wird um ein Lächeln gebeten, um eine Drehung, um eine Neigung des Kopfes – hinter jeder Erinnerung an den Ballbesuch, die sich die Gäste später zuhause gerahmt aufhängen, steckt viel harte Arbeit: künstlerisch und körperlich. Den Auftrag fasst Barylli-Fayer ganz nüchtern zusammen: Es gehe darum, „perfekte Bilder in kürzester Zeit“ zu liefern. Dass diese aber emotional aufgeladen sind, ist ihm klar: Fotografie schaffe Erinnerungen für die Ewigkeit, findet er.

Als Gast am Wiener Opernball

Die Frage, ob er nicht ein einziges Mal beim Wiener Opernball getanzt habe, bringt Andreas Barylli-Fayer ins Grübeln. Der Gedanke, dass diese Möglichkeit überhaupt bestehe, scheint ihm noch nie gekommen zu sein. Nein, kein einziges Mal habe er getanzt. Jedes Jahr ist er auf rund 15 Bällen – auch mit der Hofburg hat sein Unternehmen einen Exklusivvertrag – in Wien. Wie es wohl ist, als Gast am Wiener Opernball zu sein? Andreas Barylli-Fayer überlegt, ob er anlässlich seines 50. Jubiläums den Ball der Bälle besuchen soll. Ohne Kamera.

Herausforderungen und Hoppalas am Ball

Herausforderungen
und Hoppalas am Ball

Zeremonienmeister Roman Svabek im Interview

von Amina Beganovic - Er ist verantwortlich für die Eröffnung des berühmtesten Balls der Welt: Zeremonienmeister Roman Svabek erzählte uns im Interview von den Herausforderungen, den Hoppalas, dem “aufgebauschten Kommerz” und den schönsten Seiten des Wiener Opernballs. Seit 2008 hat die Tanzschule Svabek die Gesamtverantwortung für die Eröffnung des Wiener Opernballs inne.

Zeremonienmeister Roman Svabek über die Eröffnung des Opernballs
Zeremonienmeister Roman Svabek über die Eröffnung des Opernballs © VIENNA.AT

Der Wiener Opernball rückt näher – sehen Sie dem Ball gelassen entgegen, oder kommt langsam die Nervosität?

Es wird schon langsam nervöser … Gelassen sehe ich dem Ball nie entgegen, dann wäre ich aber auch nicht in meinem Element. Man braucht die Anspannung, damit es auch wirklich gut wird.

Woher kommen jedes Jahr die neuen Ideen für die Eröffnung?

Ich bin ja Gesamtverantwortlicher für die Eröffnung, also nicht nur die Balleröffnung an sich gehört dazu, sondern auch die Koordination drum herum. Das Ballett, der ganze Ablauf, … Ich versuche, immer etwas Neues zu machen. Natürlich, der Walzer wird nicht neu erfunden, und auch der Einzug am Opernball kann nicht neu erfunden werden – die eröffnenden Paare müssen ja hereinkommen, und mehr als „gehen” ist uns noch nicht eingefallen … fliegen könn’ ma ja noch nicht. In Zusammenarbeit mit Ballett und Musikern entwickeln sich dann die Ideen.

Was sind die größten Hoppalas, die bei der Eröffnung passieren können?

Ich würde es „unglückliche Umstände” nennen. Also zum Beispiel, wenn auf den Stufen eine Dame der anderen auf das Kleid steigt, hängen bleibt, stehen bleibt. Und dann entsteht beim Einzug natürlich eine Lücke. Das schaut dann aus wie eine „Blockabfertigung”. Aber sowas kann natürlich passieren. Oder der Kreislauf … letztes Jahr hat es eine Debütantin brettlgrad’ auf die Nase gehaut – kann auch passieren.

Welche Voraussetzungen braucht es, um den Opernball zu eröffnen?

Man muss im Alter zwischen 17 und 24 Jahren sein und Linkswalzer können. Also nicht nur Kenntnisse haben, sondern der muss wirklich sehr gut funktionieren. Denn wir haben pro Jahr 300 bis 500 Anmeldungen. Heuer hatten wir zum Beispiel sehr viele Paare aus dem Ausland, die wir leider nicht alle nehmen können. Da muss man wirklich unterscheiden: Können die den Walzer wirklich, Ja oder Nein? Der Ball hat im Ausland in den letzten Jahren wieder den Stellenwert bekommen, dass die Leute denken: „Es ist cool, nach Wien zu fahren und dort den Opernball zu eröffnen.”

Es gibt immer wieder die Kritik, dass der Wiener Opernball mittlerweile ein „aufgebauschtes Kommerz-Ereignis” ist. Wie sehen Sie das?

Da kenne ich Bälle, die schlimmer sind! Der Opernball ist und war immer ein aufgebauschter Ball. Das kann man nicht abstreiten – schließlich sollte er von jeher nach außen die Botschaft tragen: „Österreich ist lebendig, Österreich hat Kultur.” Aber wir haben es geschafft, das gut 20 Prozent der Besucher mittlerweile zur jungen Gruppe unter 30 Jahren zählen. Das war schon ein Erfolg für uns. Die Tanzfläche wird jedes Jahr voller und voller, und keiner will nachhause gehen. Wir könnten den Ball verlängern! Daher denke ich, dass der Ball immer zwei Gesichter hat: Das eine voller Trubel, das man vielleicht aus den Medien kennt, mit der „Prominenz”, die eben kommt. Und das andere sind die Leute, die nur wegen dem Ball dort sind und dort einfach tanzen und Spaß haben wollen. Sicher, der Hype und die wirtschaftlichen Aspekte sind da – aber er ist schlussendlich ein Ball für Ballgeher.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Organisation?

Schon zu Beginn die Frage: Wohin wollen wir diesmal mit dem Opernball gehen? Was können wir anders machen? Dann kommen die Paare, die sich bewerben – auch keine leichte Aufgabe. Und dann die Entscheidung, welche Stimmung wir mit dem Ball erschaffen möchten. Zum Beispiel: Wen lassen wir heuer „Alles Walzer” sagen? Wir haben es schon die Kinder vom Ballett sagen lassen, die Musiker, die Debütanten selbst … darauf warten die Leute auch immer mit Spannung.

Und werden Sie selbst Zeit haben, den Opernball zu genießen, oder sind Sie laufend eingespannt?

Ich habe den Ball schon früher privat genossen, und ich genieße ihn auch heute. Das war mitunter ein Grund, warum ich überhaupt zum ersten Mal in die Tanzschule gegangen bin: Ich wollte den Opernball eröffnen. Im Endeffekt habe ich wegen der Arbeit den Ball dann doch nie eröffnet – dafür darf ich jetzt in der ersten Reihe stehen.